Neubebauung Helene-Weigel-Platz - 10 Jahre Springpfuhl e.V.

Vor 10 Jahren schlossen sich Geschäftsleute der Springpfuhlpassage mit Unterstützung der WBG Marzahn in einem Verein zusammen. Zunächst vor allem als Interessenvertretung der Gewerbetreibenden gedacht, stand der Verein von Anfang an interessierten Bürgern, die sich für die Entwicklung des Helene-Weigel-Platzes in seiner Gesamtheit interessierten, offen Die Erarbeitung eines Rechenschaftsberichtes über einen so langen Zeitraum ermöglichte es, die Ergebnisse wichtiger Arbeitsetappen noch einmal zu überdenken auf dieser Grundlage Schlussfolgerungen für die weiter Arbeit zu ziehen. Details finden sie unter http//www.helene-weigel-platz.de/verammlung.html.

Wir haben uns davon leiten lassen, dass ein urbaner Platz mit einem gut funktionierenden Markt, aber auch mit einem anregenden kulturellen Leben von existenzieller Bedeutung für eine rege Geschäftstätigkeit und eine anziehende Wohnumgebung ist. Deshalb ist auch in der als Ziel des Vereins die Unterstützung von Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität des Helene-Weigel-Platzes. Diese Überlegungen sind auch die Grundlage für die Gestaltung der Homepage des Vereins www.helene-weigel-platz.de , der einzigen Webseite in Marzahn, die ein abgeschlossenes Gebiet betrachtet.

Die Entwicklung eines solchen Gebietes hängt nach unseren Erfahrungen vom Engagement der Politik für die Gestaltung der dafür erforderlichen Rahmenbedingungen ab. Deshalb versteht sich der Verein immer als Partner der lokalen Politik, der DEGEWO- dem Haupteigentümer am Platz-, der TLG Immobilien GmbH, anderer Gewerbetreibender sowie der anwohnenden Bürger. In gemeinsamer Arbeit mit der zur gleichen Zeit entstandenem INITIATIVE Helene-Weigel-Platz-einem parteiübergreifendem Zusammenschluss von Verordneten der BVV Marzahn - wurden wichtige Impulse für zu lösende Probleme gegeben.

Die Entwicklung des Helene-Weigel-Platzes vom einstigen politischen Zentrum Marzahns zu einem Ortsteilzentrum verlief nicht reibungslos. Trotz einer Reihe von Maßnahmen, wie z.B. der Reparatur und Modernisierung des Platzes einschließlich des Brunnenbereichs, die Modernisierung der Wohngebäude, die Umgestaltung des Umfeldes waren entstehende Probleme nicht mehr zu übersehen. Der Einzehandelskomplex stagnierte und verschlechterte sich teilweise. Die Verlagerung und Schließung von attraktiven Geschäften sowie die unverhältnismäßige Erweiterung der Verkaufsraunfläche durch die Ansiedlung von Discountern rund um den Platz führten zu einer spürbaren Verringerung der Anziehungskraft des Platzes. Dazu trug auch die Verlagerung des Bürgerbüros nach Biesdorf bei – für uns ein Signal, dass der Platz immer mehr aus dem Blickfeld der örtlichen Politik rückte. Die Forderung nach der Einrichtung eines mobilen Bürgerbüros haben wir deshalb auch nicht ad acta gelegt. Warum soll etwas, das in 5 Berliner Stadtbezirken geht, in Marzahn nicht gehen. Der Statistik zufolge hat der Helene-Weigel-Platz den höchsten Anteil der über 50jährigen und den geringsten Anteil der 25-50 jährigen sowie der 0-18 jährigen. . Den vorliegenden Statistiken und Analysen ist zu entnehmen, dass die soziale Situation in Marzahn-Hellersdorf im Bezirksvergleich deutlich schlechter geworden ist. In den letzten 5Jahren, hat sich dem der Entwicklung des Sozialindexes zufolge Marzahn-Hellersdorf vom 5. auf den 9. Rangplatz und damit stärker als jeder andere Bezirk verschlechtert. Die demografische Entwicklung stellt nicht nur Anforderungen an die Gestaltung der Rahmenbedingungen durch die Politik sonder im gleichen maße an die Struktur und Angebote der gewerblichen Unternehmen Umso unverständlicher ist deshalb auch die Entscheidung, die Mittagsversorgung im Alten Marzahner Rathaus kurzerhand einzustellen. Ähnliches haben wir vor Jahren im September 2005 schon mal erlebt als uns der damalige Bürgermeister auf eine vorgelegte Unterschriftensammlung zum Erhalt des Bürgerbüros, erklärte dass wir über ein gutes Verkehrssystem verfügen und es den älteren Bürgern durchaus zuzumuten ist, in die Marzahner Promenade zu fahren. Folgerichtig konzentriert der Verein deshalb seit 2005 seine Tätigkeit auf die Unterstützung aller Überlegungen und Bemühungen zur Neugestaltung der Westseite Platzes. Mit dem „Center am Helene-Weigel-Platz“ wird wieder ein unverwechselbarer Anziehungspunkt für die Marzahner mit weit reichenden Auswirkungen für den ganzen Platz entstehen. Nicht zuletzt dokumentieren auch die getroffenen Entscheidungen, dass die Marzahner Politiker den Platz wieder zu dem machen wollen, was er einmal war, zu einem beliebten, gerne besuchten Teil unserer Stadt.

Die gewollte Wirkung des Centers „als entscheidende Zäsur“ für die Entwicklung des Wohn-rund Gewerbegebiets Helene-Weigel-Platz auf die Gesamtentwicklung des Platzes erfordert das Zusammenwirken aller am Platz wirkenden Eigentümer und Gewerbetreibenden sowie mit den Bürgern auf hohem Niveau. Der erwartete Zuwachs von Bürgern, die den Platz aufsuchen wird nicht allein durch die Besucher des Centers zustande kommen. Gefragt sind genau so die Initiativen und die Ideen der bereits ansässigen Gewerbetreibenden, einschließlich der Markthändler, um Besucher an den Platz zu ziehen.

Es entspricht unseren langjährigen Erfahrungen, dass der Platz nur in seiner Gesamtheit funktionsfähig ist. Dieser Sachverhalt muss jedem Besucher des Platzes –vor allem jenem Teil , der über den neu gebauten Parkplatz auf den Platz kommt - durch die Installation eines qualifizierten und detaillierten Wege-Leitsystems mit Hinweisen „Wer ist wo“ und auf welchen Wegen erreichbar ist, vermittelt werden. Vor allem müssen die Verbindungswege zwischen dem Center und der Springpfuhlpassage und damit vom vorderen zum hinteren Teil des Platzes funktionsfähig gemacht werden. Einem Material der Steuerungsrunde ist zu entnehmen, dass das noch nicht gewährleistet ist. Das sind Forderungen, der am Platz tätigen Gewerbetreibenden, die wir nachdrücklich unterstützen, weil nur so die gewollte Entwicklung des Platzes möglich ist.

Mit Neubau des „Centers am Helene-Weigel-Platz“ wird die Entwicklung nicht abgeschlossen sein. Der Beschluss des Bezirksamtes zur Bildung einer Steuerungsrunde sieht ausdrücklich 2 Ebenen vor, nämlich 1. die Zusammenarbeit des Bezirksamtes mit der TLG Immobilien GmbH zur Begleitung und Sicherung der Baumaßnahme und 2. die Abstimmung und Koordinierung aller Projekte am und um den Helene-Weigel-Platz zwischen dem Bezirksamt, dem Springpfuhl e.V., der degewo, interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Gewerbe- und Geschäftstreibenden im Bereich des Helene-Weigel-Platzes. Es gibt bekanntlich im hinteren Teil des Platzes mehrere Anziehungspunkte, eine Schwimmhalle, die immer wieder mal repariert wird die lange erwartete Sauna für Otto-Normalverbraucher steht offensichtlich in den Sternen, eine Gesundheitseinrichtung, die offensichtlich auch permanent modernisiert wird, vielleicht wird diesmal wieder eine Röntgen-Anlage eingebaut usw. Für das Bezirksamt und die Eigentümer bleibt also eine ganze Menge Arbeit übrig. So wie wir in der Steuerungsrunde mitarbeiten, werden wir uns auch an dieser Arbeit aktiv beteiligen. Abschließend zu einem Thema , das offensichtlich konträr diskutiert wird. Am 23. September hat der neue „Kaiser“ geöffnet. Eindeutig ist: Kaiser bleibt der Kaiser am Platz, ein „Supermarkt alter Schule“, mit einem verbesserten Vollsortiment, das die meisten arg vermisst haben. Und siehe da, es gibt sogar ATA und Rohrreiniger. Über die bekannten Gesichter haben wir uns gefreut und an die neuen erstaunlich schnell gewöhnt, vor allem beim Kaffee trinken.

Die im Berliner „Abendblatt“ vom 12. Dezember 2009 unter der Überschrift „Die Leiden der Platzbewohner. Statt im Lichterglanz versinkt der Helene-Weigel-Platz in Dreck und Baustellenlärm“ können deplazierter und von größerer Unkenntnis der realen Situation nicht sein. Ohne Shakespeare zu quälen heißt doch hier die Frage: Mehrere Leerstehende Ruinen oder ein belebender Neubau? Schönheit kann nun mal unterschiedlich bewertet werden. Das liegt immer am Auge des Betrachters und obliegt auch immer dem Zeitgeist. Eine Frau wird wie folgt zitiert: „…Warum wurde der Abriss der TLG-Häuser nicht zusammen mit der jahrelangen Renovierung der Brunnenanlage und der aufwendigen Renovierung der Schwimmhalle koordiniert“. Was die freundliche Dame zur Koordinierung der Bauvorhaben fordert ist toll. Ich habe längere Zeit gebraucht, um zu begreifen, dass Marktwirtschaft aus unterschiedlichen, nicht immer freundschaftlich verbundenen Eigentümern besteht, und dass das Ganze anders funktioniert als es zuweilen wünschenswert ist. Aber die Forderung halten wir für gut. Schließlich leben wir in einer parlamentarischen Demokratie und es gibt eine ausreichende Anzahl von Politikern, die dafür da sind, solche Dinge zu regeln.

Nachdrücklich sei bemerkt, dass die Männer des Dresdner Baubetriebes bisher einen hervorragenden Job bei der Neubebauung der Westseite des Helene-Weigel-Platzes gemacht haben, immer bemüht, die unumgänglichen Belästigungen für die Bürger so klein wie möglich zu halten.

Dr. Helfrid Kreutzer
Vorsitzender des Springpfuhl e.V.

Quelle: Berliner Abendblatt, Nr. 44

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